Neue Verantwortung, vertraute Werte

Vor rund einem halben Jahr haben Marcel Krebs und Nik Suter die Co-Leitung der Abteilung Schlosserei und Metallbau bei Terra Vecchia übernommen. Der Wechsel erfolgte sorgfältig vorbereitet: Ihr Vorgänger Jost Eggenschwiler bezog sie früh in Entscheidungsprozesse ein und übergab ihnen schrittweise Verantwortung. Heute gestalten sie gemeinsam die Weiterentwicklung des Betriebs – mit viel Gestaltungsspielraum, einer klaren Haltung zur Zusammenarbeit und dem Anspruch, sowohl wirtschaftlich als auch sozial wirksam zu sein. Im Interview geben sie Auskunft über ihren Rollenwechsel.

TERRA 1498
Neue Verantwortung, vertraute Werte
Neue Verantwortung, vertraute Werte

Vor rund einem halben Jahr habt ihr die Co-Leitung der Schlosserei und Metallbau übernommen. Wie geht es euch in der neuen Rolle?

Marcel: Ich bin gut in der neuen Rolle angekommen. Jost Eggenschwiler hat uns früh in relevante Prozesse einbezogen. Rund ein halbes Jahr vor seiner Pensionierung konnten wir bereits erste Führungsaufgaben übernehmen. Das war sehr wertvoll, weil wir bei Unsicherheiten jederzeit nachfragen konnten. Gleichzeitig hat er uns freie Hand gelassen – und war dennoch da, wenn wir Unterstützung brauchten. Dieses Vertrauen habe ich sehr geschätzt.

Nik: Jost Eggenschwiler hat uns schon lange zuvor viel Handlungsspielraum übergeben. So nach dem Motto: «Jetzt seid ihr dran». Dadurch konnten wir uns früh mit der Co-Leitung auseinandersetzen und klären, wie wir unsere Aufgaben aufteilen und was wir neu anpacken wollen.

Marcel: Aus unseren bisherigen Tätigkeiten haben sich gewisse Schwerpunkte ergeben: Nik kümmert sich stärker um die Finanzen, ich eher um die Arbeit mit dem Klientel. Im Alltag zeigt sich aber schnell, dass wir als Co-Leitung gemeinsam verantwortlich sind. Die Trennung der Bereiche ist deshalb auf dem Papier klar, im Alltag aber immer wieder schwer umzusetzen.

Nik: Wir haben zwar Bereiche definiert, tauschen uns aber sehr viel aus und entscheiden gemeinsam. Es ist weniger ein klares «Du machst das, ich das», sondern ein Zusammenspiel. Ein wichtiger Grund für die Co-Leitung war auch, dass wir beide weiterhin mit einem Bein in der Praxis bleiben wollen – in der Werkstatt arbeiten oder auf Baustellen mitwirken ist uns wichtig. Die Leitung eines solchen Betriebs ist eigentlich ein 100-Prozent-Job. Überrascht hat mich der hohe administrative Aufwand – Kundenkontakt, Mails, Telefonate. Dass wir zu zweit sind, schafft Raum – so können wir im Betriebsgeschehen präsent sein.


«Die grosse Herausforderung war, die alte Rolle loszulassen.»

Marcel Krebs
Co-Leiter Schlosserei und Metallbau

Ihr wart zuvor Teil des Teams. Wie war der Wechsel von der Mitarbeitendenrolle in die Führung?

Marcel: Hilfreich war, dass gleichzeitig zwei neue Mitarbeitende zu uns gestossen sind und wir in ihre Anstellung involviert waren.

Nik: Auch den Auswahlprozess hat Jost Eggenschwiler bereits uns überlassen. So konnten wir unser zukünftiges Team selber aufbauen.

Marcel: Für unser Team war von Anfang an klar: Das sind unsere neuen Vorgesetzten. Die eigentliche Herausforderung bestand nicht in der Übernahme der neuen Führungsrolle – viel schwieriger war es, die alte Rolle loszulassen. Früher habe ich vieles selbst erledigt. Heute muss ich delegieren und Verantwortung übergeben. Diese Anpassung ist anspruchsvoller als gedacht.

Was motiviert euch, diese Verantwortung zu übernehmen?

Nik: Sehr motivierend war das Vertrauen, das wir von Anfang an gespürt haben – von Jost Eggenschwiler ebenso wie von der Geschäftsleitung. Wir spürten: alle ziehen am gleichen Strang und wir können wirklich mitgestalten. Auch das Team hat positiv reagiert. Weil wir schon lange Teil des Betriebs sind, war der Wechsel für viele eine natürliche Entwicklung. Fast gleichzeitig mit dem Leitungswechsel kam der Umzug in die neuen Werkhallen. Dadurch ergaben sich grosse Veränderungen – aber auch die Chance, Ideen am neuen Standort zu verwirklichen.

Marcel: Der Zeitpunkt war tatsächlich ideal. Wir bekamen viel Gestaltungsspielraum, auch wenn zunächst vieles gleichzeitig kam und es eine intensive Phase war. Jetzt ist ein grosser Teil geschafft – und es fühlt sich gut an.


«Wir wollen beide weiterhin im praktischen Handwerk mitarbeiten.»

Nik Suter
Co-Leiter Schlosserei und Metallbau

Co-Leitung bedeutet gemeinsame Verantwortung. Habt ihr euch überlegt, was wäre, wenn einer von euch einmal weggeht?

Nik: Darüber haben wir ehrlich gesagt nie intensiv gesprochen. Schön war aber zu spüren, dass Jost Eggenschwiler uns beiden auch einzeln zutraute, die Schlosserei zu führen. Wir haben bewusst das Modell der Co-Leitung gewählt. Eine Einzelleitung mit Stellvertretung wäre auch eine mögliche Option gewesen, aber wir wollten, wie bereits erwähnt einen Fuss im praktischen Handwerk behalten. Und klar ist: Unser Commitment gilt für längere Zeit.

Marcel: Ein Vorteil ist, dass wir ähnlich ticken und beide motiviert sind. Wir müssen gar nicht alles bis ins Detail regeln – das gilt auch für das neu zusammengesetzte Team. Die neuen Mitarbeitenden passen gut zu unserer Arbeitsweise. Wir wollen eine kollegiale Atmosphäre und eine möglichst flache Hierarchie beibehalten.

Wo liegen aktuell eure grössten Herausforderungen?

Nik: Besonders zeigt sich dies in der Rollenfindung. Wir setzen bewusst auf eine flache Hierarchie und beziehen das Team stark ein. Gleichzeitig tragen wir als Co-Leitung die Hauptverantwortung – auch für Personalfragen und Mitarbeitendengespräche. Die Frage ist also immer wieder: Wo entscheiden wir selbst und wo beziehen wir das Team ein? Dabei hilft uns, dass wir uns gut abstimmen. Was wir nach aussen vertreten, muss von uns beiden getragen werden.

Marcel: Der Umzug in die Werkhallen gab uns die Möglichkeit, Abläufe neu zu strukturieren. Zum Beispiel haben wir feste Zeiten für den Informationsaustausch eingeführt, statt Gespräche zwischen Tür und Angel zu führen. Für mich persönlich bleibt die grösste Umstellung das Delegieren.

Nik: Bis im Herbst 2025 stand uns Jost Eggenschwiler noch als Ansprechpartner zur Verfügung. Jetzt sind wir selbst die Instanz, an die sich Mitarbeitende wenden. Das ist eine neue Verantwortung.

Setzt ihr bewusst Schwerpunkte in der Weiterentwicklung?

Marcel: Ja, vor allem im Einbezug der Mitarbeitenden und der Klient:innen. Ein Beispiel: Verantwortung für bestimmte Aufgaben – etwa das Auffüllen von Material – liegt heute teilweise beim Klientel. Simon, einer unserer neuen Mitarbeitenden, koordiniert dies. Das funktioniert bisher sehr gut.

Nik: Auch unsere Mitarbeitenden beziehen wir gezielt mit ein – etwa bei der Einführung in die Software, bei der Organisation eines Lagers oder bei Produktionsabläufen. Wenn Menschen von Anfang an beteiligt sind, übernehmen sie auch Verantwortung. Mit dem Umzug in die Werkhallen werden uns neue Möglichkeiten eröffnet – das wollen wir jetzt bewusst nutzen.


«Neue Möglichkeiten und Projekte durch den gemeinsamen Standort»

Marcel Krebs
Co-Leiter Schlosserei und Metallbau

Wo seht ihr weiteres Entwicklungspotenzial?

Marcel: Die Wege sind kürzer geworden – sowohl infrastrukturell als auch zwischen den Abteilungen. Dadurch entstehen neue Möglichkeiten für gemeinsame Projekte oder Produktentwicklungen. Wir haben in allen Bereichen sehr engagierte Teams. Jetzt, da alle am gleichen Standort arbeiten, verstärkt sich diese Zusammenarbeit – da sind positive Kräfte, die wirken.

Nik: Ein grosses Potenzial liegt tatsächlich in abteilungsübergreifenden Bauprojekten. Für unsere Klient:innen ist das sehr attraktiv, weil sie Einblick in andere Branchen bekommen – etwa in die Schreinerei oder den Holzbau. Auch für Kund:innen oder Architekt:innen wirkt der Standort überzeugend. Viele sind überrascht, wie breit unser Angebot ist. Im letzten halben Jahr hat es mehrfach Aufträge gegeben, die sich von einer Abteilung auf andere ausgeweitet haben.


«Unsere Werte bestehen seit Jahrzehnten»

Nik Suter
Co-Leiter Schlosserie und Metallbau

Welche Werte von Terra Vecchia wollt ihr bewahren – und kommen neue dazu?

Nik: Die Werte von Terra Vecchia prägen unsere Arbeit seit Jahrzehnten und geben uns eine klare Orientierung. Wir produzieren qualitativ hochwertige Produkte und bieten gleichzeitig Menschen mit Unterstützungsbedarf Arbeitsplätze, die im ersten Arbeitsmarkt angesiedelt sind. Unsere Klient:innen sind dabei ein fester Bestandteil des Produktionsteams und arbeiten aktiv an den Aufträgen mit. Wichtig ist uns, dass diese Zusammenarbeit auf Augenhöhe geschieht und von einer tragfähigen Beziehung geprägt ist. Genau das soll auch in den neuen Werkhallen spürbar bleiben.

Marcel: Qualitativ gute Arbeit und soziale Verantwortung zusammenzubringen ist anspruchsvoll. Gerade wenn jemand aus unserem Klientel aufgrund persönlicher Herausforderungen länger ausfällt, kann das in der Produktion spürbar und stressig sein. Trotzdem ist es uns wichtig, dass sie in unser Team eingebunden sind und möglichst in einem normalen Arbeitsumfeld arbeiten können. Wir wollen, dass sich Menschen mit Unterstützungsbedarf in unserem Betrieb geschätzt und relevant fühlen.

Nik: Darum sind externe Aufträge wichtig – von Architekt:innen oder Privatkund:innen. Wenn ein Mensch mit Unterstützungsbedarf an einem Geländer arbeitet, es später auf einer Baustelle montiert und das fertige Projekt sieht, stärkt dies das Selbstvertrauen und die Selbstwirksamkeit enorm.

Marcel: Genau diese Kombination gefällt mir: wirtschaftsnahe Arbeit und soziales Engagement. In unseren Werkhallen gibt es ganz unterschiedliche Aufgaben – und manchmal zeigt sich plötzlich ein Talent, das man vorher gar nicht gesehen hat. Vertrauen spielt dabei eine zentrale Rolle. Und dieses Vertrauen haben wir von Anfang an auch selbst gespürt. Das ist ein starkes Fundament auch für unsere Arbeit.